الوضوء

Die rituelle Waschung (Wudu)

Die rituelle Waschung (Wudu) ist die Vorbereitung auf das Gebet. Sie reinigt Körper und Geist und schafft eine bewusste Hinwendung zu Gott.

Bedeutung und Zweck

Wudu (arabisch: الوضوء) ist die rituelle Waschung, die Muslime vor dem Gebet und anderen Gottesdiensten vollziehen. Sie ist mehr als eine körperliche Reinigung — sie symbolisiert die innere Vorbereitung auf die Begegnung mit Gott.

Der Quran fordert die Gläubigen ausdrücklich zur Reinigung vor dem Gebet auf. Die Waschung ist ein Akt der Achtsamkeit: Mit jedem Schritt wird der Betende bewusster und bereitet sich auf den Zustand der Sammlung vor, den das Gebet erfordert.

يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا إِذَا قُمْتُمْ إِلَى الصَّلَاةِ فَاغْسِلُوا وُجُوهَكُمْ وَأَيْدِيَكُمْ إِلَى الْمَرَافِقِ

Yā ayyuhā lladhīna āmanū idhā qumtum ilā ṣ-ṣalāti fa-ghsilū wujūhakum wa aydiyakum ilā l-marāfiqi

O ihr, die ihr glaubt! Wenn ihr euch zum Gebet begebt, so wascht euer Gesicht und eure Hände bis zu den Ellenbogen.

Quran 5:6

Wann ist Wudu erforderlich?

Die rituelle Waschung ist erforderlich:

  1. Vor jedem Gebet — wenn der vorherige Wudu ungültig geworden ist
  2. Vor dem Berühren des Quran — aus Ehrfurcht vor dem heiligen Buch
  3. Vor der Umrundung der Kaaba (Tawaf) — bei der Pilgerfahrt

Der Wudu wird ungültig durch:

  1. Benutzung der Toilette
  2. Windabgang
  3. Tiefschlaf
  4. Bewusstlosigkeit
  5. Blutung in größerem Umfang

Solange keiner dieser Umstände eintritt, bleibt der Wudu gültig — man muss ihn nicht vor jedem Gebet erneuern.

Ablauf der Waschung

Der Wudu folgt einer festen Reihenfolge. Jeder Schritt wird mit Bedacht und Konzentration ausgeführt:

1

Absicht (Niyya)

نَوَيْتُ الْوُضُوءَ

Im Herzen die Absicht fassen, den Wudu zur Vorbereitung auf das Gebet zu vollziehen. Die Absicht wird nicht laut ausgesprochen, sondern innerlich gefasst.

2

Hände waschen

غَسْلُ الْيَدَيْنِ

Beide Hände werden dreimal bis zu den Handgelenken gewaschen, beginnend mit der rechten Hand. Dabei werden die Finger ineinander verschränkt, um auch die Zwischenräume zu reinigen.

3

Mund ausspülen (Mazmaza)

الْمَضْمَضَةُ

Mit der rechten Hand dreimal Wasser in den Mund nehmen, gründlich den gesamten Mundraum ausspülen und das Wasser ausspucken.

4

Nase ausspülen (Istinschaq)

الاِسْتِنْشَاقُ

Mit der rechten Hand dreimal Wasser in die Nase ziehen und mit der linken Hand wieder ausblasen.

5

Gesicht waschen

غَسْلُ الْوَجْهِ

Das gesamte Gesicht dreimal waschen — vom Haaransatz bis zum Kinn und von Ohr zu Ohr. Männer mit Bart kämmen dabei mit nassen Fingern durch den Bart.

6

Arme waschen

غَسْلُ الْيَدَيْنِ إِلَى الْمِرْفَقَيْنِ

Beide Arme dreimal von den Fingerspitzen bis einschließlich der Ellenbogen waschen, beginnend mit dem rechten Arm.

7

Kopf überstreichen (Mesh)

مَسْحُ الرَّأْسِ

Mit nassen Händen einmal über mindestens ein Viertel des Kopfes streichen. In der hanafitischen Praxis werden die nassen Hände von der Stirn über den Kopf bis zum Nacken und zurück geführt.

8

Ohren überstreichen

مَسْحُ الْأُذُنَيْنِ

Mit frisch angefeuchteten Händen die Ohren überstreichen: Die Zeigefinger wischen die Innenseite der Ohren, die Daumen die Rückseite.

9

Nacken überstreichen

مَسْحُ الرَّقَبَةِ

Mit der Außenseite der Zeige-, Mittel- und Ringfinger einmal über den Nacken streichen (ohne Daumen und kleinen Finger zu verwenden).

10

Füße waschen

غَسْلُ الرِّجْلَيْنِ

Beide Füße dreimal bis einschließlich der Knöchel waschen, beginnend mit dem rechten Fuß. Dabei auch zwischen den Zehen waschen, indem man mit dem kleinen Finger der linken Hand hindurchfährt.

Bittgebet nach dem Wudu

Nach Abschluss der Waschung ist es empfohlen (Sunna), ein Bittgebet zu sprechen. Der Prophet Muhammad ﷺ lehrte folgendes Gebet:

✦ ✦ ✦

أَشْهَدُ أَنْ لَا إِلَٰهَ إِلَّا اللَّهُ وَحْدَهُ لَا شَرِيكَ لَهُ وَأَشْهَدُ أَنَّ مُحَمَّدًا عَبْدُهُ وَرَسُولُهُ ، اللَّهُمَّ اجْعَلْنِي مِنَ التَّوَّابِينَ وَاجْعَلْنِي مِنَ الْمُتَطَهِّرِينَ

Ashhadu an lā ilāha illā llāhu waḥdahu lā sharīka lahu wa ashhadu anna Muḥammadan ʿabduhu wa rasūluhu. Allāhumma jʿalnī mina t-tawwābīna wa jʿalnī mina l-mutaṭahhirīn.

Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Allah, Ihm allein, ohne Partner, und ich bezeuge, dass Muhammad Sein Diener und Gesandter ist. O Allah, mache mich zu einem der Reumütigen und mache mich zu einem der sich Reinigenden.

Sahih Muslim / Tirmidhi

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